Wasserstrahlschneiden in der Halbleiterfertigung

Spricht man heute mit Leuten, die mit SiC-Wafern oder fortschrittlichen Gehäusetechnologien arbeiten, fällt ein Muster auf: Es geht nicht mehr darum, ob herkömmliche Prozesse Grenzen haben, sondern darum, wie lange sie noch durchhalten können, wenn die Gerätestrukturen kleiner, dünner und viel weniger widerstandsfähig gegen Beschädigungen werden.

Siliziumkarbid und Galliumnitrid sind nicht nur im herkömmlichen Sinne „harte Werkstoffe“; sie vereinen hohe Härte, hohe Wärmeleitfähigkeit und starke chemische Stabilität. Das klingt zwar aus Geräteperspektive vielversprechend, macht sie aber bei der Bearbeitung extrem anspruchsvoll. Mechanisches Trennen führt zu Kantenausbrüchen, die sich unter Belastung ausbreiten, Laserbearbeitung hinterlässt unweigerlich eine Wärmeeinflusszone, egal wie präzise die Parameter eingestellt sind, und chemische Verfahren sind zwar genau, aber in der Regel langsam, teuer und schwer skalierbar.

Genau hier liegt die Lücke, in der wasserstrahlbasierte Verfahren, insbesondere lasergestützte Varianten, an Bedeutung gewinnen – nicht als Ersatz für alles, sondern als Lösung für ganz spezifische Probleme, die andere Technologien nur schwer lösen können.

Physikalische EigenschaftenWert
Signaldichte ρ / (g·cm⁻³)3.21
Schmelzpunkt Tₘ / K.3103
Mohs-Härte / HM9.2
Wärmeleitfähigkeit k / (W·cm⁻¹·K⁻¹)4.5
Wärmeleitzahl α / (m²·s⁻¹)4.70E-06
Bruchzähigkeit K / (MPa·m¹ᐟ²)2.65
Spezifische Wärmekapazität c / (J·kg⁻¹·K⁻¹)471.9
Tab. 1 Physikalische Eigenschaften von 4H-SiC bei Raumtemperatur

Das Wichtigste, was es zu verstehen gilt, ist nicht, dass Wasserstrahlschneiden „kaltes Schneiden“ ist – das wurde schon zu oft gesagt –, sondern was sich dadurch im Kontext der Halbleiterindustrie tatsächlich ändert.

Was dieses Verfahren wirklich auszeichnet, ist die Art des Materialabtrags. Da alles unter kontinuierlicher Wasserkühlung stattfindet, entsteht keine Wärme im Bearbeitungsbereich. Daher treten die üblichen Probleme thermischer Prozesse – wie Umwandlungsschichten, Eigenspannungen und Mikrorisse – praktisch nicht in gleicher Weise auf. Dies ist besonders wichtig bei Materialien mit großer Bandlücke, da selbst geringfügige Störungen im Kristallgitter das elektrische Verhalten beeinflussen können. In der Praxis geht es also nicht nur um die Oberflächenqualität, sondern hat direkte Auswirkungen auf die Bauteilleistung und die Ausbeute.

Ein weiterer Aspekt, der oft unterschätzt wird, ist die geringe mechanische Belastung, die ein Strahlverfahren bei korrekter Steuerung tatsächlich verursacht. Im Vergleich zu kontaktbasierten Verfahren treten Ausbrüche oder Kantenausrisse deutlich seltener auf. Stattdessen erhält man saubere, gleichmäßige Profile, die oft kaum oder gar keine Nachbearbeitung erfordern. Angesichts immer kleinerer Strukturgrößen und engerer Toleranzen gewinnt dieser Aspekt zunehmend an Bedeutung.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Prozessumgebung. Da beim Schneiden reines Wasser verwendet wird, entstehen praktisch keine Dämpfe, keine chemischen Rückstände und keine abrasiven Verunreinigungen, sodass der gesamte Prozess sehr sauber bleibt. Dadurch lässt er sich leichter in Halbleiterfertigungslinien integrieren, ohne dass viele zusätzliche Reinigungsschritte oder spezielle Handhabungsmaßnahmen erforderlich sind, was für diese Anwendung von großer Bedeutung ist.

Das reine Wasserstrahlschneiden stößt trotz all seiner Vorteile bei der Bearbeitung extrem harter Materialien wie SiC an seine Effizienzgrenzen, und genau deshalb erfahren Hybridverfahren so viel Aufmerksamkeit.

Bei einem laserunterstützten Wasserstrahlverfahren wird der Laser nicht zur vollständigen Materialabtragung eingesetzt, sondern vielmehr zur lokalen Erweichung oder Modifizierung des Materials. Anschließend entfernt der Hochgeschwindigkeitswasserstrahl sofort den betroffenen Bereich, kühlt gleichzeitig die Wechselwirkungszone und spült die Ablagerungen weg. Das Ergebnis ist ein Verfahren, das die thermischen Nachteile der Laserbearbeitung vermeidet und gleichzeitig die Materialabtragsleistung des Strahls deutlich verbessert.

Dieser Ansatz ist deshalb bemerkenswert, weil er nicht mehr nur theoretisch ist – er wurde bereits unter kontrollierten Bedingungen demonstriert. In einer Versuchsreihe mit 4H-SiC erwies sich das nutzbare Prozessfenster als recht spezifisch: Wasserdruck um 30 MPa, Pulsenergie nahe 1.0 mJ, eine Überlappungsrate von nahezu 99.7 % und ein Offset von etwa 0.14 mm.

Innerhalb dieses Bereichs konnten mit dem Verfahren Mikrostrukturen mit einer Breite von etwa 47 μm und einer Tiefe von ca. 95 μm hergestellt werden, die nur geringe thermische Schäden aufwiesen und eine recht saubere, wohldefinierte Geometrie besaßen. Dies ist ein gutes Beispiel dafür, wie empfindlich das Verfahren auf die Parameterbalance reagiert – und wie gut die Ergebnisse sein können, wenn diese optimal eingestellt sind.

Interessanterweise führte die übermäßige Kühlung dazu, dass die Wirksamkeit der laserinduzierten Erweichung abnahm, sobald der Wasserdruck diesen optimalen Bereich überschritt. Dies erinnert uns daran, dass es sich hier nicht um einen Prozess handelt, bei dem „mehr besser ist“, sondern um einen, der stark vom Gleichgewicht zwischen thermischer Zufuhr und mechanischem Abtrag abhängt.

Bei der Entwicklung eines solchen Hybridprozesses, der zuverlässig in der Produktion eingesetzt werden kann, geht es nicht nur um einen Laser und eine Pumpe; entscheidend ist, ob man eine Reihe eng miteinander verknüpfter Variablen über einen langen Zeitraum kontrollieren und stabilisieren kann.

Erstens gibt es die Wechselwirkung zwischen Laserparametern, Strahldruck und geometrischen Abweichungen, die alle gleichzeitig Einfluss auf die Rillenmorphologie, die Abtragsrate und die thermische Belastung haben. Daher müssen die Prozessfenster klar definiert und idealerweise durch Vorhersagemodelle anstatt durch Versuch und Irrtum unterstützt werden.

In diesem Zusammenhang ist die Entwicklung dimensionsloser Vorhersagemodelle – mit berichteten Abweichungen von unter 8 % zwischen Vorhersage und Experiment – ​​wichtiger, als es auf den ersten Blick scheinen mag, denn sie ermöglicht es den Ingenieuren, vom „Anpassen“ zum „Festlegen“ von Parametern überzugehen, was eine Voraussetzung für die Skalierung ist.

Dann gibt es die Geräteseite: stabile Hochdruckzufuhr, Düsenkonsistenz im Submillimeterbereich, Bewegungssteuerung, die Strukturen im Mikrometerbereich bewältigen kann, und zunehmend eine Form der Echtzeitüberwachung oder -rückmeldung, um Abweichungen auszugleichen, insbesondere bei der Verarbeitung dünner Wafer oder komplexer Geometrien.

Es wäre unrealistisch, dies als eine vollständig ausgereifte, sofort einsatzbereite Lösung darzustellen.

Reine Mikro-Wasserstrahlschneidverfahren haben noch immer mit Effizienzproblemen bei ultraharten Materialien zu kämpfen, wassergeführte Lasersysteme bleiben teuer und relativ komplex in der Integration, und die Handhabung ultradünner Wafer – unter 100 μm – bringt eigene Stabilitätsherausforderungen im Zusammenhang mit der Fixierung und der Wechselwirkung mit dem Fluid mit sich.

Hinzu kommt, dass wichtige Komponenten wie Hochdruckdichtungen, Präzisionsdüsen und Bewegungsplattformen in vielen Märkten noch nicht vollständig lokalisiert sind, was sich direkt auf Kosten und Verfügbarkeit auswirkt.

Wenn von lasergestützten Verfahren die Rede ist, liegt das Augenmerk meist eher auf dem Laser selbst. In der Praxis ist jedoch der Wasserstrahlteil ebenso wichtig, manchmal sogar noch wichtiger, da er direkten Einfluss darauf hat, ob der Prozess während des Schneidens stabil bleibt.

Bei den zuvor erwähnten Mikrobearbeitungsexperimenten an 4H-SiC wurde das Hochdrucksystem verwendet. eine APW-WasserstrahlpumpeHauptsächlich deshalb, weil es einen relativ stabilen Ausgangsdruck von etwa 30 MPa aufrechterhalten kann. Dies mag wie ein kleines Detail erscheinen, hat aber im realen Betrieb deutliche Auswirkungen – sobald sich der Druck oder die Strahlstabilität geringfügig ändert, wirkt sich dies auf die Nutform, die Gleichmäßigkeit des Materialabtrags und auch die Wiederholgenauigkeit zwischen verschiedenen Durchgängen aus.

Aus ingenieurtechnischer Sicht geht es nicht nur darum, den Zieldruck zu erreichen, sondern vor allem darum, ihn kontinuierlich und mit sehr geringer Pulsation stabil zu halten und gleichzeitig sicherzustellen, dass der Strahl durch eine Mikrodüse mit einem Durchmesser von üblicherweise etwa 0.2 mm präzise fokussiert bleibt. Jede Instabilität in dieser Phase würde sich schnell auf das Bearbeitungsergebnis auswirken, insbesondere bei der Bearbeitung von Strukturen im Bereich von einigen zehn Mikrometern.

Aus diesem Grund gewinnt die Auslegung von Hochdrucksystemen zunehmend an Bedeutung, je weiter das Verfahren von der Laborvalidierung hin zur industriellen Anwendung fortschreitet. Letztendlich wird die Leistungsgrenze des lasergestützten Wasserstrahlschneidens nicht allein durch den Laser bestimmt, sondern durch das reibungslose Zusammenspiel des gesamten Systems – Laser, Strahl, Bewegung und Steuerung müssen über die Zeit synchronisiert bleiben, da der Prozess sonst schnell inkonsistent wird.

Mit Blick auf die Zukunft wird immer deutlicher, dass wasserstrahlbasierte Verfahren nicht darauf abzielen, bestehende Halbleiterprozesse flächendeckend zu ersetzen. Vielmehr finden sie ihren Platz in Situationen, in denen geringe Beschädigung, Materialintegrität und Prozessreinheit wichtiger sind als reine Geschwindigkeit.

Da sich die Gerätestrukturen ständig weiterentwickeln – sei es in der Leistungselektronik, bei MEMS oder in fortschrittlichen Gehäusetechnologien – werden diese Anforderungen immer strenger, was Hybridverfahren wie das laserunterstützte Wasserstrahlschneiden natürlich relevanter macht als noch vor einigen Jahren.

Gleichzeitig tragen Verbesserungen bei der Prozessmodellierung, den Steuerungssystemen und der Gesamtintegration der Anlagen dazu bei, einige der praktischen Hürden zu beseitigen, die diese Technologien bisher im Labor hielten, sodass sie allmählich zu etwas werden, das man ernsthaft für die Produktion in Betracht ziehen kann und nicht nur für Experimente.

Wenn man die ganze Fachsprache weglässt, ist der Nutzen der lasergestützten Wasserstrahlbearbeitung eigentlich ganz einfach: Sie bietet eine Möglichkeit, Material von harten, spröden und wärmeempfindlichen Substraten zu entfernen, ohne die Art von Schäden zu verursachen, die man ja eigentlich vermeiden will, und das auf eine Weise, die immer vorhersehbarer und einfacher zu kontrollieren wird.

Das ist vor allem der Grund, warum es in realen Diskussionen über die Halbleiterfertigung immer häufiger auftaucht.

Kontakt Verkauf mehr über die Wasserstrahltechnologie erfahren

Ref.Experimentelle Studie und Vorhersagemodell zur laserunterstützten Wasserstrahl-Mikrobearbeitung von einkristallinem Siliziumkarbid

Inhaltsverzeichnis
Erzählen Sie uns Ihre Vorstellungen zum Thema Wasserstrahl
Kontaktformular Demo (#3)

Bild von Liu Haiyang
Liu Haiyang

Wasserstrahlbediener, 9 Jahre Erfahrung in APW, bietet Schulungen zum Wasserstrahlschneiden für die Glasverarbeitungsindustrie an

Scrolle nach oben